Selbsthilfegruppe für Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen in Kooperation mit dem Ev. Krankenpflegeverein Ludwigshafen-Ruchheim und der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.

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Was ist unsere Selbsthilfegruppe?

 

"Gemeinsam sind wir stark" ist der Grundgedanke, der hinter unserer Selbsthilfegruppe steht. Gerade in Deutschland hat dieses Selbsthilfe-Prinzip besondere Tradition, denn innerhalb Europas verfügt kaum ein anderes Land über so viele Gruppen. Experten schätzen, dass sich bis zu drei Viertel aller Selbsthilfegruppen mit Erkrankungen und Behinderungen beschäftigen. Das vorrangige Ziel ist, sich aus der eigenen Betroffenheit heraus gegenseitig zu informieren und zu unterstützen, um eine positive Veränderung der persönlichen Lebensumstände der Angehörigen von an Demenz erkrankten Menschen zu erreichen.  

 

Jeder  unserer Teilnehmer bringt sich entsprechend seiner individuellen Fähigkeiten und seines persönlichen Wissens ein. So wird die Selbsthilfegruppe auch nicht von einem medizinisch geschulten Fachmann/frau geleitet, sondern von einem Menschen, der selbst betroffen ist/war. Eine professionelle Leitung, etwa durch einen Mediziner, widerspricht dem Wesen der Selbsthilfe: Indem sich die Teilnehmer in regelmäßigen Abständen zum gemeinsamen Gespräch treffen, wird einer krankheits-oder problembedingten Isolation entgegengewirkt und Wissen geteilt. Dabei konzentriert sich unsere Gruppenarbeit auf die Angehörigen.

Dies ist ein signifikanter Unterschied zu Selbsthilfeorganisationen oder Selbsthilfevereinigungen, die sich verstärkt politisch engagieren, öffentlich für die Interessen Betroffener stark machen und Außenstehende über den jeweiligen Sachverhalt aufklären wollen.

 

Unterstützung für Angehörige Demenzkranker

 

Da die Betroffenen, die erkrankt sind sich nicht mit Leidensgenossen oder ihren Angehörigen, Freunden und Verwandten austauschen können/wollen, schließen sich deren Angehörige zu einer Selbsthilfegruppe zusammen.

Die persönlichen Lebensumstände, z.B. im Zuge der Erkrankung oder Behinderung, ist so einschneidend verändert, dass dies fast immer Auswirkungen auf das private Umfeld hat. Vor allem bei nahen Familienangehörigen erfordert die neue Situation oft Stärke, denn das Zusammenleben gestaltet sich plötzlich ganz anders. Gewohnte Abläufe, Werte und Maßstäbe müssen überdacht und auf die ungewohnte Situation hin umstrukturiert werden. Dabei finden sich viele Familienangehörige in einem Spannungsfeld zwischen der erkrankten Person, Familie, Freunden und dem eigenen Job wieder: Einerseits soll der oder die Erkrankte verantwortungsbewusst gepflegt und motiviert werden - andererseits gilt es, den Familienalltag zu organisieren, ohne Freundschaften oder gar den eigenen Job zu vernachlässigen.  

 

Die eigenen Probleme und Ängste in Bezug auf die Erkrankung mit anderen Angehörigen von Betroffenen zu teilen, ist  eine enorme Erleichterung. Oft verursachen bestimmte Symptome ganz spezifische Schwierigkeiten im privaten Umfeld, die durch einen  Informationsaustausch in der Selbsthilfegruppe effektiv verbessert werden.

 

Es existieren entsprechende Angebote für Angehörige parallel zur Selbsthilfegruppe für Betroffene, u.a. ist die Validationsmethode eine Möglichkeit den Umgang mit dem an Demenz erkrankten Angehörigen zu erleichtern.

Zuhören ! Sich in die Welt des Demenzerkrankten hineinversetzen – es gibt viele Aspekte, die pflegende Angehörige lernen können. Wichtig ist jedoch, dass sie wissen, nicht alleine zu sein.

 

Die aktuellen Treffen / Termine und Veranstaltungen finden Sie unter Termine / Presse 

 

 

 

Ein Feedback einer Gruppenteilnehmerin:

 

 

 

Betreff:        Dankeschön

Nachricht:      Liebe Frau Bechtel

 

Meine Mutter kam gestern mit Magenschmerzen ins Krankenhaus - nichts worüber man sich Sorgen machen müsste, wurde mir gesagt. Ich war sofort im Pflegeheim und bin mit ins Krankenhaus gefahren. Dort nahm alles so eine dramatische Entwicklung, dass meine Mama gestern Mittag gestorben ist. Im Arm meines Mannes, ich hielt sie an der Hand und meine Schwester und ihr Mann waren ebenfalls da - sie ist den Weg nicht alleine gegangen.

 

Ich möchte Ihnen danken, dass Sie die Gruppe ins Leben gerufen haben und so eine gute Arbeit mit viel Herz und Verstand leisten. Bitte richten Sie allen aus, dass ich jeder Einzelnen dafür danke, dass sie ihre Geschichte mit mir geteilt hat und dass ich auch meine Geschichte mit allen Teilen durfte. Es ging mir immer besser danach.

 

Meine Mutter und ich hatten noch einige Stunden, in denen wir Spaß und viel Nähe hatten -dafür bin ich zutiefst dankbar.

 

Ich wünsche allen aus der Gruppe für den vor ihnen liegenden Weg viel Kraft, aber auch das Erkennen der besonderen Momente. Vor mir liegt nun ein schwerer Weg, den ich aber nach dem Vorbild meiner Mutter beschreiten werde: weitergehen, wiederaufstehen.

 

Danke für alles!

 

Ihre

 

E.B.

 

 

 

 

Angebot Schreibwerkstatt Angehörigengruppe Demenzkranker Menschen

 Ludwigshafen /15.10.2015

 

Durch das Schreiben gewinnen wir Abstand zu unserem eigenen Erleben. Meine Großeltern und Eltern waren an Demenz erkrankt. Meine Mutter habe ich bis in den Tod eng begleitet.

Die Geschehnisse des letzten Lebensjahres hielt ich in der Form eines Tagebuchs fest. Wir können ein  Tagebuch evtl. auf einem Blog veröffentlichen. Aus diesem Anlass habe ich für Sie einen Querschnitt zusammengestellt.

Was treibt Menschen dazu an, ein Tagebuch zu führen?

Ein wichtiges Motiv ist der Abstand, den man gewinnen kann,wenn man noch einmal aus der Retrospektive heraus über schwierige Passagen des Lebens schreibt.

Auch bei mir spielte dieses Motiv eine große Rolle. Und auch ich befand mich in einer schwierigen Lebenssituation.

 

Abstand gewinnen

Die Angehörigen können ein Lebensjahr ihrer demenzkranken Angehörigen in der Form eines Tagebuchs festhalten. Der erste Eintrag meines Tagebuchs ist datiert auf den ….2008, der letzte Eintrag auf den 22. Mai 2009.

Auf die Frage hin, warum es für so wichtig ist  ein solches Tagebuch zu schreiben:

“Die Hilflosigkeit soll das Schreiben anfangen lassen. Man hat früher vielleicht schon die Erfahrung gemacht, dass man durch das Schreiben einen Abstand zum eigenen Erleben findet.”

 

Sie sind in der Situation, dass Ihr Vater, Ihre Mutter, IhreGroßmutter oder Ihr Ehepartner an Demenz erkrankt ist. Wie fühlt sich das an, den geliebten Menschen, der an Demenz erkrankt ist, bis zu seinem Tode beinahe rund um die Uhr zu begleiten. Sie und viele andere Angehörige tun dies.

Ich stelle mir ein sehr intensives Jahr vor, in dem sich Momente des Glücks und der Freude mit Verzweiflung und Resignation abwechseln.

Ein solches Jahr erinnert auf der Gefühlsebene wohl eher an eine Achterbahnfahrt als an einen leise dahinplätschernden Fluss.

Was mich mein Demenztagebuch gelehrt hat, ist die Tatsache, dass es auch einen Alltag in solchen turbulenten Zeiten gibt.

All die kleinen Rituale und Routinen des Alltags, die einem über den Tag helfen. Davon sollte es eine Menge in dem Demenztagebuch geben.  

 

Nach dem Tode

Seit meine Mutter verstorben ist, arbeite ich als ehrenamtliche Mitarbeiterin  in einem Pflegeheim. Auch hier habe ich mit Menschen zu tun, die an Demenz erkrankt sind. Entscheidend war für mich, dass ich mit der Zeit feststellte, dass das Verhalten meines Vaters/Mutter gar nicht so eigenartig gewesen war, wie ich zuvor zuweilen gedacht hatte.

Wir wissen von dementen Menschen, dass sich ihreV erhaltensweisen im Laufe einer Demenz stark verändern. Das sorgt in der Pflege für viele Überraschungen, da man Menschen, die man umsorgt, noch einmal auf eine zum Teil unbekannte Weise erlebt.

Ich erinnere mich beispielweise an eine recht befremdliche Passage aus dem Buch “Der alte König in seinem Exil” von Arno Geiger, in dem Geiger von seinem Vater erzählt, dem die Erinnerungen langsam abhanden kommen.A ls die Demenz seines Vaters schon recht weit vorangeschritten ist, war derVater nicht mehr dazu in der Lage, den Fernseher als andere Realität zu erkennen. Das gipfelte dann zu Weihnachten in einer Situation, in welcher der Vater während der Nachrichten von der Couch aufstand, um den Nachrichtensprecher die Schale mit den Weihnachtskeksen anzubieten.

Die Situation im Pflegeheim ist noch einmal eine etwas andere. Der Abstand zu den Menschen ist einfach größer, wenn man dort im ehrenamtlichen Sinne betreut/pflegt. Was jedoch nicht bedeutet, dass die Besonderheiten und Intensitäten, die mit der Pflege von Menschen mit Demenz verbunden sind, nicht gleichsam wahrnehmbar wären.

Ich formuliert das so: “Ich habe aus der Distanz einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin schöne, innige, dramatische und auch wirklich lustige Erlebnisse mit einigen Bewohnern und bekomme sehr viel zurück.

 

Denken Sie darüber nach Ihre Erfahrungen, Wünsche, Erlebnisse, Gefühle aufzuschreiben, um mit der Situation in der Zukunft besser mit etwas mehr Distanz heraus umgehen zu können.

 

Es wird Sie für die Zukunft stärker machen Hilflosigkeit weicht, Traurigkeit wechselt mit Loslassen.

Ein Abschied auf Raten…..

 

Herzliche Grüße

 

Monika Bechtel 

 

 

 

 

 

 

Selbsthilfegruppen der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.