Über Demenz

Was wird unter „Demenz“verstanden?

 

 „Der Begriff`Demenz´ stammt aus dem Lateinischen von ´mens/mentis´ und bedeutet übersetzt`Verstand´ oder `Geist´: Wörtlich bedeutet Demenz somit ´weg vom Geist´ oder`ohne Geist´“

Der Begriff „Demenz“ wird von unserer westlichen Gesellschaft vorwiegend medizinisch betrachtet, das heißt Demenz beschränkt sich auf eine klinisch identifizierte Erkrankung.

MedizinischeSichtweise

Es kommt zu einem fortschreitenden Abbau der geistigen Kräfte, wie Gedächtnis, Denken und Verstehen.

Hierbei kann zwischen primärer und sekundärer Demenz differenziert werden.

•Primäre Demenz

Schädigung des Hirngewebes

Beispiele

•Alzheimerdemenz

•Lewy-Body-Demenz

•Vaskuläre Demenz

•Frontotemporale Demenz

•Sekundäre Demenz

gehen mit anderen pathologischen Befunden einher

Beispiele :

Folge von:

•Stoffwechselerkrankungen

•Vergiftungserscheinungen

•Medikamenten- und/oder Alkoholmissbrauch

•Vitaminmangelzustände

•Depressionen

•Hirntumore

 

 

SozialpsychologischeSichtweise

 

Jeder Mensch hat Grundbedürfnisse. Z.B. Teil der Gesellschaft zu sein.

Kann der Mensch selbst diesen Wunsch nicht mehr nachkommen, muss das Umfeld diesbezüglich wachsam werden und aktiv dazu beitragen ihm dies zu ermöglichen 

 

Der Verlauf einer Alzheimerdemenz

 

Ø Symptome, die der Angehörige oder Nahestehende sieht, können bei richtiger Wahrnehmung zu einem  frühen Erkennen der Krankheit führen.

 

Ø Vergesslichkeit, rasche Ermüdbarkeit und nachlassendes Konzentrationsvermögen sind ganz natürliche Folgen eines Alterungsprozesses und noch keine Signale für eine krankhafte Entwicklung.

 

Ø Aufmerksam muss man werden, wenn sich anhaltende Teilnahmslosigkeit, konsequente Vernachlässigung der Körperpflege und ständige unregelmäßige Nahrungsaufnahme einstellen.

 

Ø Alarmierend wird es, wenn sich dazu ein eindeutiger Orientierungsverlust im Hinblick auf die Zeit, auf den Ort und auf die umgebenden Personen gesellt.

 

Leichte Demenz: Die Person beginnt zu vergessen. Jedoch versucht sie ihre Schwächen zu verbergen. Es kommt vermehrt vor, dass sie andere Menschen beschuldigt, um von sich abzulenken Die Person kann aber noch selbständig auf Fähigkeiten zurückgreifen, um alleine zurecht zukommen.

 

Mittlere Demenz: Erst jetzt werden die „eindeutigen“ Anzeichen einer Demenz sichtbar. Es kommt unter anderem zu einer Veränderung der Sprache. Der Wortschatz ist eingeschränkt. Oft erkennen sie auch nicht mehr ihre Angehörigen.

 

Schwere Demenz: Menschen mit einer schweren Demenz können meistens ihren Körper nicht mehr kontrollieren. Die Sprache ist bis auf wenige Worte oder Laute. Dauerhafte Hilfe ist erforderlich.

 

Die erheblichen Einschränkungen in der Alltagskompetenz ziehen unterschiedliche Bereiche der Hilfebedürftigkeit nach sich.

Hier einige Beispiele:

 

  • unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereiches(Weglauftendenz);
  • Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen;
  • unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen;
  • tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation; im situativen Kontext inadäquates Verhalten;
  • Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen;
  • Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung;
  • Störungen der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben;
  • Störung des Tag-/Nacht-Rhythmus;
  • Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren
  • Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren
  • Ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten
  • Zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression.

 

Demenz und Gewalt

 

Nicht nur schwere körperliche Gewalt sondern auch andere Phänomene von Gewalt und Aggressivität prägen das Erscheinungsbild –

gegen den Willen des anderen, die Unversehrtheit vernichten, schädigen oder beeinträchtigen

 

Körperliche Gewalt

Handlungen Anwendung von Zwang zur Nahrungsaufnahme

Fixierung ohne Einwilligung mit entsprechenden, rohen Umgangsformen

wie Ziehen, Schubsen, Stoßen und Schlagen

Verabreichung von Sedativa und/oder Einschließen

 

Psychische Gewalt

Beleidigende Äußerungen

Entzug von Beachtung und Zuwendung

Unhöflicher Behandlung

Anschreien

Lächerlich Machen

Verletzung der Intimsphäre

 

Begriffe für Gewalt  

Abhängigkeit, Aufhalten

Beengung, Beruhigungsmittel, Bettgitter, Bevormunden

Dunkelheit, Einsamkeit, Einschließen, Essen  Trinken,

Festhalten, Fixieren, Gestik, Grenzen

Ignorieren, lächerlich machen, laute Sprache, Liebensentzug, Mimik, Missbrauch, Ruhigstellen, Schmerzen, Schreien, Überforderung, Ungeduld, Verweigerung, Warten lassen, Zwangsbeglückung.

 

In diesem Sinne ist jede Form der Vernachlässigung die Körper, Seele oder Geist des Menschen schädigt, Ausdruck von Gewalt. Auch die Ignoranz von Lebensgewohnheiten oder Wünschen.

Dies verstärkt die Hilflosigkeit und Abhängigkeit des Erkrankten.

 

Ethische Orientierung – fachlich und sittlich

Menschen vertrauen sich dem Pflegenden an – der Wert als solcher

Die Handlungen können helfen oder aber auch schaden

Grenzsituationen menschlicher Existenz (würdevoller Umgang)

 

Wichtige Eigenschaften von Pflegenden:  

Respekt vor dem Leben, der Willensfreiheit

Besonnen handeln und urteilen mit Empathie

 

 Medikation

Angehörige /Pflegende „Anwalt für demente Menschen“  

Liegt eine Diagnose vor?

Ist diese entsprechend dokumentiert?

Ist der Erkrankte einwilligungsfähig oder liegt eine Legitimation vor?

Bei gerichtlichen Genehmigung sollte der Betreuer miteinbezogen werden!!

Der pflegende Angehörige sollte die Medikamentengabe durch den zuständigen Arzt von Zeit zu Zeit überprüfen lassen

(wichtig persönliche Vorstellung des Erkrankten beim Arzt) Kooperation mit anderen Fachärzten wegen unübersichtlichen Nebenwirkungen.

 

Wegen Multimorbidität werden unterschiedliche Medikamente von verschiedenen Ärzten verordnet mit möglichen Wechselwirkungen.

Dazu kommen Nebenwirkungen, weil Stoffwechsel und Empfindlichkeit

der Organe im Alter verändert sind.

Ist es weiterhin sinnvoll das Medikament in der verordneten Dosierung zu geben?

Hat sich der gesundheitliche Zustand verändert?

Welche Nebenwirkungen treten auf?

 

Hier kann der Pflegende/Angehörige aufgrund der zeitlichen Nähe wichtige Informationen an den Arzt / Pflegepersonal übermitteln.

Eventuell. alternative Gabe pflanzlicher Beruhigungsmittel mit dem Arzt besprechen -  zur Erhaltung der Lebensqualität.

 

Individuelle Situationen – erfordern individuelle Lösungen.

 

(Auszüge aus "Pflege ohne Gewalt, Kuratorium Deutsche Altershilfe)

 

 

Das Modellprojekt „Demenzkompetenz im Krankenhaus“wurde im Auftrag von Sozialminister Alexander Schweitzer von der LZG (Landeszentrale für Gesundheit) in Rheinland-Pfalz e.V. durchgeführt mit dem Ziel die Versorgungsqualität von Menschen mit Demenz im Krankenhaus zu verbessern, sowie die Modalitäten ihrer Aufnahme und Entlassung bedarfsgerecht zu gestalten.

Als Mitglied der Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.und als Mitglied im Beirat für behinderte Menschen der Stadt Ludwigshafen konnte ich an der Abschlussveranstaltung in Mainz teilnehmen und möchte ein paar Informationen weitergeben.

Ein stationärer Krankenhausaufenthalt stellt Menschen mit Demenz vor große Herausforderungen. Sie fühlen sich von den komplexen Stationsabläufen häufig überfordert und es fällt Ihnen schwer, den Sinn medizinischer Maßnahmen zu verstehen.  Durch die unbekannte Umgebung sind sie beunruhigt und verängstigt. Da sie ihre Befindlichkeit nicht entsprechend äußern können, ist häufig abwehrendes Verhalten die Folge. Insgesamt kann ein Klinikaufenthalt bei Menschen mit Demenz zu einer Verschlechterung ihres Zustandes und zu einem weiteren Verlust ihrer Fähigkeiten führen.

Für Ärztinnen und Ärzte sowie für die Pflegekräfte stellt sich der Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind häufig als schwierig dar. Ein wichtiger Punkt des Projektes war die Schulung von Krankenhauspersonal und für die Bedürfnisse der Menschen mit Demenz zu sensibilisieren.

Schulungen wirken sich nicht nur positiv auf die Betroffenen sondern auch auf das Krankenhauspersonal aus. Erste Unsicherheiten im Umgang mit den dementen Menschen haben sich während des Projekts und der Schulungen durch gestiegenes Einfühlungsvermögen und mehr Handlungssicherheit verbessert.

Für die Angehörigen und die an Demenz erkrankten Menschen wünsche ich mir, dass alle Krankenhäuser die Initiative ergreifen und ihr Personal schulen lassen, damit eine adäquate Versorgung der Menschen mit Demenz zukünftig erfolgen kann.

Ein wichtiger Punkt für Angehörige: geben Sie bei der Einweisung Ihres Angehörigen dem Klinikpersonal bei der Aufnahme eine Information, dass der Patient an Demenz erkrankt ist, wenn dies bereits diagnostiziert ist. Diese Information erleichtert dem Klinikpersonal den Umgang mit dem Patienten.

 

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